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International Law
: Handakte WebLAWgEine Frage der Ehre?
By Handakte
Eine junge Frau wird von ihrem Bruder oder ihrem Vater ermordet. Darf man dafür den Begriff “Ehrenmord” verwenden, nur weil der Mord kulturell begründet wird? Für und Wider.
PRO von Jan Feddersen
Es ist immer das gleiche Muster: Ein Mann - niemals eine Frau - aus einer zumeist muslimisch geprägten Familie bringt eine nahe Angehörige um, weil sie ihre eigenen Vorstellungen vom Leben hat, die sich nicht mit denen ihrer Brüder, Schwestern und Eltern decken. Hierzulande sind dies seitens der Opfer durchweg Vorstellungen von einem Leben, das unter ihresgleichen als westlich verfemt wird.
Die liberale Öffentlichkeit regt sich dann über den Mord auf - nicht hingegen jene, die die gleichen Werte kultivieren wie die Exekutoren der Getöteten. Sie habe die “Ehre” der Familie missachtet, beschmutzt und verworfen und verdiene deshalb, aus dem Leben genommen zu werden. Dieser Begriff von Ehre ist in sich vollkommen logisch, er wird benutzt als Chiffre für menschliches Hab und Gut nach dem Gusto patriarchaler Gewaltverhältnisse, an denen Frauen -eine bittere Pointe - gern und oft teilhaben.
http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/politisch-korrekt/
CONTRA von Cigdem Akyol
Es ist immer wieder das gleiche Muster: Ein Mann ermordet ein weibliches Familienmitglied, weil er dieses nicht mehr kontrollieren kann. Auch die 20-jährige Deutschkurdin Gülsüm S. aus Rees wurde getötet, weil ihr Freiheitswillen der eigenen Familie missfiel. Als ihr Drillingsbruder Davut erfuhr, dass seine Schwester heimlich eine Abtreibung hatte durchführen lassen, hat er sich entschlossen, sie zu töten. Er sah sich dazu gezwungen, das Gesetz der Ehre vollstrecken zu müssen, den “Schandfleck” des Clans zu entfernen - das muss man zumindest annehmen, denn zum sogenannten Ehrenmord gehört auch das Gesetz des Schweigens. Die Ermittlungen deuten auf kulturelle Konflikte in der Familie als mögliches Tatmotiv.
So weit, so fatal. Mehr ist bisher über den Mord nicht bekannt. Aber seit der Aufdeckung hat sich wieder der Begriff “Ehrenmord” nach vorne geschoben. Er erleichtert es der Gesellschaft, eine Tragödie rasch in eine Schublade zu stecken. Die Wirklichkeit lässt sich so mit einem Schlagwort verschleiern. Doch das greift zu kurz: Eine solche Tat ist immer nur der traurige Höhepunkt einer tragischen Entwicklung. Außerdem steckt hinter dem Begriff eine strikte Grenzziehung zwischen Lebenswelten. Denn wenn Muslime Angehörige umbringen, spricht man umgehend vom “Ehrenmord”, ansonsten handelt es sich um eine “Familientragödie”.
Quelle: taz vom 06.04.2009
Full post as published by Handakte WebLAWg on April 06, 2009 (boomark / email).

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