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International Law
: Handakte WebLAWgEin Tag im Leben des Michail Chodorkowski
By Handakte
Es ist kurz vor halb zwölf, die Zuschauerbänke im Prozesssaal sind voll bis auf den letzten Platz. Die Verhandlung gegen Michail Chodorkowski und Platon Lebedew, die ehemaligen Hauptaktionäre des zerschlagenen Ölkonzerns Jukos, hätte vor einer halben Stunde beginnen sollen, aber noch immer schleppen die beiden Staatsanwälte Aktenordner um Aktenordner in den Verhandlungsraum. Die Männer tragen goldene Epauletten an ihren königsblauen Uniformen, sie wirken nervös. Sie wissen, dass sie heute improvisieren müssen. Russische Staatsanwälte improvisieren ungerne. Weil sie es nie gelernt haben.
Was heute in diesem Gerichtssaal geschehen wird, ist schwer zu erklären, weil es auch in Russland kaum noch jemand begreift ? und weil die Vorgeschichte inzwischen mehr Aktenordner füllt, als zwei Männer in einer halben Stunde in einen Gerichtssaal tragen können.
Im Oktober 2003 wird Michail Chodorkowski auf dem Flughafen von Nowosibirsk in seinem Privatjet verhaftet. Schwer bewaffnete Geheimdienstler nehmen ihn in Gewahrsam, der Vorwurf lautet auf Steuerhinterziehung und Betrug in besonders schwerem Ausmaß. Im Mai 2005 beginnt der Prozess: Chodorkowski wird zu acht Jahren Haft verurteilt, sein Konzern Jukos ? damals eines der erfolgreichsten russischen Unternehmen ? wird zerschlagen. Den Löwenanteil heimst bei einer umstrittenen Auktion die staatsnahe Konkurrenz ein: der Ölkonzern Rosneft. Chodorkowski vermutet Rache: Er hatte Oppositionsparteien unterstützt und sich mit Bildungsprogrammen in die Erziehung künftiger Wähler eingemischt. (…)
Quelle: ZEIT vom 24.04.2009
Full post as published by Handakte WebLAWg on April 24, 2009 (boomark / email).

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